Die fachgerechte Entsorgung von E-Zigaretten: Einstellung, Wissen, Motivatoren und Barrieren

Sens eRecycling

Weshalb werden so wenige Vapes korrekt entsorgt?

Einweg-E-Zigaretten (Vapes) haben in der Schweiz stark an Beliebtheit gewonnen. Als Elektrogeräte müssen sie fachgerecht recycelt werden. Die aktuelle Sammelquote ist jedoch niedrig. SENS eRecycling hat daher die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW beauftragt, Nutzungs- und Entsorgungsverhalten von Vape-Verwender:innen zu erforschen.

Qualitative Interviews mit Deutsch- und Westschweizer:innen

Die Studie umfasste zwei Phasen: einen Desk Research mit Literaturreview (Dezember 2025) sowie eine qualitative Interviewstudie mit 15 Einzelgesprächen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz (Januar und Februar 2026). Zielgruppe der Interviews waren 18- bis 34-Jährige, welche in der Schweiz den stärksten Vape-Konsum aufweisen. In der Auswahl der Interviewpartner wurde auf ein durchmischtes Bildungsniveau, eine gleiche Verteilung von Männern und Frauen sowie eine Mischung aus intensiven und gelegentlichen Nutzer:innen geachtet.

Ergebnisse

 

Eigenheiten des Produkts

Die Studie zeigt, dass sich Vapes in mehreren Hinsichten grundlegend von anderen Elektrogeräten unterscheiden – und dass genau diese Eigenheiten das Recyclingverhalten massgeblich prägen. Erstens gelten Vapes als Genussmittel: Das Vapen wird als unkomplizierte Selbstbelohnung erlebt. Wer sich mit der Entsorgung der Vapes befasst, muss sich gleichzeitig mit seinem Konsum auseinandersetzen – und damit mit Kosten, Gesundheit sowie möglicherweise Sucht. 

Zweitens ist die Vape ein Convenience-Produkt: Sie ist an jeder Ecke erhältlich und soll den Alltag erleichtern. Die Befragten kaufen Vapes vorwiegend spontan im stationären Handel und selten online – ein Hinweis auf den Impulscharakter des Produkts. 

Jeder zusätzliche Aufwand, auch beim Entsorgen, widerspricht diesem Versprechen. Drittens findet der Konsum unterwegs statt und ist zeitlich wie örtlich deutlich flexibler als bei konventionellen Zigaretten: Vapes können drinnen und draussen, jederzeit und in kurzen Einzelzügen genutzt werden. Enstprechend kann eine leere Vape kann überall anfallen, was flexible Entsorgungsmöglichkeiten unabdingbar macht. 

Sens eRecycling

Drei Entsorgungstypen

Die Studie identifiziert drei Entsorgungstypen. Die «Ignoranten Wegwerfer:innen» entsorgen Vapes routinemässig im Kehricht, weil sie diese schlicht nicht als Elektrogerät wahrnehmen. Sie setzen die Vape gedanklich mit einer Zigarette gleich und sehen sich im Recht, solange sie die Vape nicht einfach auf den Boden werfen. 

Die «Dissonanten Sammler:innen» wissen grundsätzlich, dass der Kehricht falsch ist, kennen aber keine konkreten Entsorgungswege. Sie sammeln zu Hause, prokrastinieren und werfen die Vapes am Ende oft doch in den Haushaltskehricht, weil sich keine Lösung aufdrängt. 

Die «Engagierten Entsorger:innen» sind eine Minderheit mit ausreichend Wissen und Motivation: Sie kennen und nutzen bestehende Entsorgungsoptionen, wünschen sich aber ebenfalls einfachere Lösungen und Bestätigung ihres Handelns.

«Ich schmeisse sie auf jeden Fall immer weg und schmeisse sie nicht einfach irgendwie auf den Boden. Ich weiss nicht, was ich da noch machen soll.»

m, 24

Kernbarrieren

Quer durch alle Typen zeigen sich vier zentrale Barrieren. Die grösste ist die Wissenslücke: Die meisten Verwender:innen erkennen Vapes spontan nicht als Elektrogeräte und können sie somit keiner bekannten Recyclingkategorie zuordnen. Die Entsorgungsoptionen an Verkaufsstellen und SENS-Sammelstellen sind zwar bekannt, aber werden nicht mit Vapes in Verbindung gebracht. Der Vape Recycling Bag war bei den Befragten gänzlich unbekannt. 

Dazu kommt die moralische Belastung: Wer sich mit dem Recycling befasst, rückt unweigerlich seinen Konsum ins Bewusstsein, was dem positiven Erleben des Vapens widerspricht und deshalb lieber verdrängt wird. 

Schliesslich steht der Aufwand des Recycelns dem bequemen Entsorgen im Kehricht gegenüber: Schon das «Rumtragen» einer leeren Vape wird als Aufwand empfunden – obwohl dieselbe Handlichkeit als Vorteil des Produkts gepriesen wird. 

Hinzu kommt bei einem Teil der Befragten fehlendes Vertrauen in das Recyclingsystem. Es besteht Zweifel daran, ob gesammelte Vapes tatsächlich recycelt werden.

«Ganz ehrlich, das wäre mir einfach zu blöd, irgendwo hinzulaufen. Und da bin ich, glaube ich, einfach zu faul dafür.»

m, 28

Empfehlungen

Die Studie zeigt, dass eine höhere Recyclingquote nur durch gleichzeitiges Handeln auf zwei Ebenen erreichbar ist: Die Einstellungen müssen durch gezielte Kommunikation verändert werden, und die Rahmenbedingungen (Infrastruktur) müssen so optimiert werden, dass eine korrekte Entsorgung möglichst wenig zusätzlichen Aufwand erfordert. Beide Ebenen müssen Hand in Hand gehen – Kommunikation allein reicht nicht.

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