Fast Tech: Wenn kleine Geräte zum grossen Problem werden

Sens eRecycling

Ein Mini-Ventilator, der nach drei Tagen defekt ist. Eine Taschenlampe im Schlüsselanhänger, die man kaum je nutzt. Eine Einweg-Vape, die nach ein paar Dutzend Zügen ausgedient hat. Für sich genommen wirken diese Dinge klein, günstig und harmlos. Zusammengenommen ergeben sie eine rasant wachsende Abfallkategorie: Fast Tech.

Ein Blick in die Schubladen Schweizer Haushalte zeigt, wie viel Fast Tech sich über die Zeit ansammelt. Eine kleine, nicht abschliessende Auswahl an Geräten, die typische Fast-Tech-Produkte sind und ins SENS-Recyclingsystem gehören: 

  • Mini-Ventilator
  • Selfie-Ringlicht
  • USB-Klemmleuchte
  • Elektrische Fliegenklatsche
  • Elektrisches (Tier)Spielzeug
  • Elektrisches Beauty Gadget wie z.B. elektrische Nagelfeilen oder Nagelklipper
  • Aufladbarer Fusselentferner
  • LED-Lichterkette
  • Einweg-E-Zigaretten

Was diese Geräte verbindet: Sie sind günstig, schnell gekauft und schnell ersetzt. Und trotzdem enthalten sie Batterien, Akkus oder weitere elektronische Komponenten, die fachgerecht recycelt werden müssen. 

Was ist Fast Tech?

Fast Tech bezeichnet die wachsende Zahl günstiger Elektro- und Elektronikgeräte, die oft spontan gekauft und ohne grosses Nachdenken wieder aussortiert werden. Der Begriff lehnt sich bewusst an «Fast Fashion» an. So wie die Wegwerfkultur bei Kleidung unser Konsumverhalten verändert hat, zeigt sich ein vergleichbarer Trend bei kleinen Elektrogeräten: kurze Lebensdauer, tiefer Preis, hohe Stückzahl.

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Eine riesige Produktvielfalt

Was Fast Tech besonders tückisch macht: Die Produktvielfalt ist praktisch grenzenlos und wächst mit jedem neuen Social-Media-Trend weiter. Ein selbstrührender Kaffeebecher, eine tragbare Kühlungsweste oder ein wiederaufladbarer Vakuumierer für Chipspackungen: Alle diese Produkte kosten nur wenige Franken, werden spontan bestellt und landen oft schon nach kurzer Zeit wieder in der Schublade, im Keller oder im Kehricht. Gerade weil sie so klein, so günstig und so schnell gekauft sind, werden sie kaum je als das wahrgenommen, was sie eigentlich sind: vollwertige Elektrogeräte mit Schadstoffen, die fachgerecht entfernt werden müssen und Rohstoffen, aus denen wieder Neues entstehen kann. Bei einer ausgedienten Waschmaschine oder einer alten Mikrowelle ist praktisch allen klar, dass das Produkt ins Recycling gehört. Bei Fast Tech ist dieses Bewusstsein oft nicht vorhanden. Zu klein, zu günstig, nach zu viel Plastik wirkt das einzelne Produkt, als dass man es mit «Elektroschrott» in Verbindung bringen würde. Dabei gilt in der Schweiz: Alles, was einen Stecker, ein Kabel, eine Batterie oder einen Akku hat, was Licht oder Strom erzeugt oder eine Solarzelle besitzt, ist ein Elektrogerät und gehört ins eRecycling. Das schreibt auch die Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte (VREG) vor.

Recycling ohne Beitrag

Hinzu kommt die Problematik, dass viele Anbieter auf Online-Plattformen nicht als Hersteller oder Importeure bei einem Schweizer Recyclingsystem registriert sind. Man spricht von sogenannten Nicht-Systemteilnehmern. Sie erheben somit keinen vorgezogenen Recyclingbeitrag (vRB) auf ihre Produkte. Da diese Geräte aber oft doch im SENS-Recyclingsystem enden, bleiben die Kosten für das Recycling ungedeckt und müssen von jenen getragen werden, die sich am System beteiligen. Wenn du trotzdem mal ein Gerät bei einem Nicht-Systemteilnehmer kaufst und sichergehen willst, dass dein Gerät nicht auf Kosten anderer recycelt wird, kannst du hier den freiwilligen vRB entrichten.

Unterschätztes Brandrisiko

Fast Tech ist nicht nur eine verpasste Recyclingchance, sondern auch ein Sicherheitsproblem. Viele dieser Geräte enthalten Lithium-Ionen-Akkus. Werden diese im Kehrichtsack zerdrückt oder beschädigt, können sie Brände in Sammelfahrzeugen oder Sortieranlagen auslösen. Das ist längst kein theoretisches Risiko mehr. Falsch entsorgte und beschädigte Akkus zählen mitunter zu den Brandursachen auf Sammelstellen und Recyclingbetrieben. Im Juli 2025 brannte beispielsweise beim Regionalen Annahmezentrum der TIT Imhof AG in Kreuzlingen innert Minuten eine ganze Halle (mehr dazu im Fachbericht 2026). Umso wichtiger ist es, dass auch noch so kleine Elektrogeräte als solches erkannt und am Ende ihres Lebenswegs korrekt zurückgegeben werden.

So einfach ist eRecycling in der Schweiz

Die gute Nachricht: Die Schweiz verfügt seit über 35 Jahren über ein funktionierendes Rücknahme- und Recyclingsystem. Jede Verkaufsstelle, die ein bestimmtes Gerät im Sortiment führt, muss ausgediente Geräte derselben Art kostenlos zurücknehmen. Ausserdem stehen Konsument:innen schweizweit mehr als 630 SENS-Sammelstellen zur Verfügung. Für kleine Elektrogeräte ist der Electro Recycling Bag besonders praktisch. Dank ihm kann bequem von zu Hause aus recycelt werden.

International E-Waste Day 2026

Jedes Jahr am 14. Oktober findet der Internationale E-Waste Day statt: eine weltweite, 2018 vom WEEE Forum lancierte Sensibilisierungskampagne für Elektroschrott. Die Stiftung SENS ist Gründungsmitglied des WEEE Forum. Die 9. Ausgabe 2026 steht ganz im Zeichen von Fast Tech – den kleinen, günstigen Elektrogeräten, die längst zu unserem Alltag gehören.

Die diesjährige Kampagne zum International E-Waste Day sensibilisiert in drei Punkten:

  1. Erkennen: Jedes kleine Gerät mit Stecker, Kabel oder Akku ist am Ende seiner Lebensdauer Elektroschrott, unabhängig von Grösse und Preis.
  2. Zurückgeben: An der Verkaufsstelle, bei einer SENS-Sammelstelle oder mit dem Electro Recycling Bag.
  3. Einhaltung einfordern: Nur registrierte Anbieter finanzieren auch das Recycling ihrer Produkte mit.

2025 beteiligten sich weltweit über 140 Organisationen aus 50 Ländern am Internationalen E-Waste Day. Die Teilnahme ist kostenlos und offen für alle Organisationen, die zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Elektroschrott sensibilisieren möchten.

Mehr erfahren und registrieren: weee-forum.org/iewd-register

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