Wie funktioniert eRecycling in der Schweiz? Der Kreislauf im Detail

Sens eRecycling

In einem europäischen Haushalt finden sich durchschnittlich 74 Elektrogeräte. Doch was passiert eigentlich mit der ausrangierten Kaffeemaschine, dem defekten Föhn oder der alten Waschmaschine? Das Schweizer eRecycling-System basiert auf einem ausgeklügelten Kreislauf, der aus Elektroschrott wertvolle Rohstoffe zurückgewinnt. Wir zeigen die Reise eines Elektrogeräts von der Ladenkasse bis zur Wiederverwertung der Materialien.

1. Kauf: Der vRB macht’s möglich. 

Alles beginnt beim Kauf eines neuen Geräts. Wer in der Schweiz ein neues Elektrogerät bei einem vRB-Partner erwirbt, bezahlt den vorgezogenen Recyclingbeitrag (vRB). Dieser ist im Kaufpreis enthalten und wird vom Händler an Recyclingorganisationen wie SENS eRecycling weitergeleitet. Die Beiträge fliessen in spezielle Fonds, die das gesamte spätere Recycling finanzieren. Das Geld ist damit zweckgebunden und sicher verwahrt. Egal, ob du dein Gerät zwei Jahre oder zehn Jahre nutzt: Die Entsorgung ist bereits bezahlt.

2. Nutzung: Möglichst lange verwenden

Nach dem Kauf beginnt die Nutzungsphase – und die sollte idealerweise möglichst lange dauern. Je länger ein Gerät im Einsatz bleibt, desto nachhaltiger ist es. Reparaturen, ein sorgfältiger Umgang und eine gute Pflege verlängern die Lebensdauer und reduzieren den ökologischen Fussabdruck.

Doch irgendwann ist jedes Gerät am Ende seiner Lebenszeit: Es geht kaputt, wird durch ein leistungsfähigeres Modell ersetzt oder entspricht nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen. Dann beginnt die nächste Phase des Kreislaufs.

3. Rückgabe: Schweizweites Netz von Sammelstellen

In der Schweiz hast du verschiedene Möglichkeiten, dein ausgedientes Elektrogerät zurückzugeben. Zum einen kannst du es an eine von 640 SENS-Sammelstellen bringen. Dazu gehören kommunale Sammelstellen, aber auch Verkaufsstellen wie Elektronikfachgeschäfte, Supermärkte und Baumärkte. Die Rückgabe ist unkompliziert: Einfach vorbeibringen, abgeben, fertig – ohne zusätzliche Kosten. Die gesetzliche Rücknahmepflicht gilt für alle Händler: Wo ein Gerät verkauft wird, muss auch ein gleichartiges Altgerät zurückgenommen werden. 

Zum anderen kannst du dein Gerät zu Hause abholen lassen. Das ist besonders praktisch für grosse, schwere Geräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke. Viele Händler bieten bei der Lieferung eines neuen Geräts auch an, dein altes gleich mitzunehmen. Für kleinere Geräte ist der Electro Recycling Bag ideal. Geräte rein, Bag in deinen Briefkasten und schon holt die Post ihn ab.

4. Transport: Professionelle Logistik

Die Logistik ist effizient organisiert: Sammelstellen erstellen Abholaufträge über das SENS-Onlineportal, sobald ausreichend Geräte zur Abholung bereitstehen. Dadurch wird ein Transport ausgelöst. Spezialisierte Logistikunternehmen holen die Geräte ab und bringen sie zu den Zerlege- oder Recyclingbetrieben. Jährlich werden über 30'000 Abholaufträge abgewickelt – ein effizientes System, das dafür sorgt, dass Sammelstellen nicht überfüllt werden und die Geräte zeitnah zur Aufbereitung gelangen. Dieser Teil des Kreislaufs ist für Konsument:innen unsichtbar, aber entscheidend für den reibungslosen Ablauf.

5. Zerlegung: Demontage mit viel Handarbeit 

Nun beginnt die Aufbereitung. Viele Geräte werden zunächst manuell demontiert. Fachkräfte entfernen Batterien und Akkus, schrauben Gehäuse ab, trennen verschiedene Bauteile voneinander und sortieren die Komponenten nach Material und Schadstoffgehalt. Unterschiedliche Gerätekategorien durchlaufen dabei unterschiedliche Prozesse. 

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6. Recycling: Schadstoffe sicher entsorgen, Wertstoffe zurückgewinnen

Bevor Wertstoffe zurückgewonnen werden können, müssen schädliche Substanzen fachgerecht entfernt werden. Elektrogeräte enthalten verschiedene Schadstoffe, die bei unsachgemässer Behandlung Umwelt und Gesundheit gefährden würden:

Kühlmittel und Isolierschäume aus Kühl- und Gefriergeräten werden in speziellen Anlagen abgesaugt und umweltgerecht entsorgt oder aufbereitet.

Schwermetalle wie Blei, Quecksilber oder Cadmium aus Batterien oder Leuchtstofflampen werden identifiziert und separiert.

Flammschutzmittel aus Kunststoffgehäusen werden erkannt und die belasteten Materialien gesondert behandelt.

Kondensatoren mit PCB (polychlorierte Biphenyle) aus älteren Geräten werden aussortiert und fachgerecht entsorgt.

Diese Schadstoffbehandlung erfolgt in spezialisierten Anlagen unter strengen Sicherheits- und Umweltauflagen. Nur so kann sichergestellt werden, dass gefährliche Substanzen nicht in die Umwelt gelangen.

Nach der Entfernung aller Schadstoffe beginnt die eigentliche Wertstoffgewinnung. Nun kommen Maschinen zum Einsatz: Schredder zerkleinern die Geräte in kleine Stücke. Magnetabscheider trennen Eisen und Stahl ab. Wirbelstromscheider sortieren Aluminium und andere Nichteisenmetalle aus. Optische Sensoren erkennen verschiedene Kunststoffsorten. So entstehen nach und nach reine Materialfraktionen.

Am Ende stehen sortierte Rohstoffe, die als Sekundärmaterialien wieder in den Produktionskreislauf eingespeist werden:

Metalle: Kupfer, Aluminium, Eisen, Stahl und kleine Mengen Edelmetalle werden zurückgewonnen. Eine Waschmaschine enthält beispielsweise mehrere Kilogramm Stahl und Kupfer – wertvolle Rohstoffe, die wieder in den Kreislauf gelangen.

Kunststoffe: Verschiedene Kunststoffsorten werden sortiert und zu Granulat verarbeitet, das für neue Produkte verwendet werden kann.

Glas: Glaskomponenten werden eingeschmolzen und wiederverwertet.

Seltene Erden: Diese für moderne Elektronik wichtigen Elemente, zum Beispiel Nickel, Kobalt oder Lithium, werden aufwendig zurückgewonnen, da ihr Abbau besonders umweltbelastend ist.

Edelmetalle: Aus Platinen können Gold, Silber und Palladium extrahiert werden – oft in spezialisierten Schmelzanlagen.

Die Rückgewinnungsquote liegt bei über 95 Prozent: Nur ein kleiner Rest muss als Schlacke oder Sondermüll entsorgt werden.

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7. Der Kreislauf schliesst sich

Die zurückgewonnenen Rohstoffe werden an die Industrie verkauft und dort für neue Produkte verwendet. Aus dem Aluminium deiner alten Kaffeemaschine wird vielleicht ein Teil eines neuen Fahrrads und das Kupfer aus dem Staubsaugerkabel steckt bald in neuen Elektromotoren.

So schliesst sich der Kreislauf: Vom neuen Gerät über die Nutzung und Rückgabe bis zur Aufbereitung und zurück in neue Produkte. Das Schweizer eRecycling-System macht aus Abfall wieder Wertvolles. Dabei schont es natürliche Ressourcen und reduziert CO₂-Emissionen.

Deine Rolle im Kreislauf

Als Konsument:in spielst du eine zentrale Rolle in diesem Kreislauf. Mit drei einfachen Schritten trägst du zum Erfolg bei:

  1. Bewusst kaufen: Achte beim Kauf eines neuen Geräts auf Langlebigkeit und kaufe deine Geräte bei vRB-Partnern von SENS eRecycling. So stellst du sicher, dass das Recycling bereits vorfinanziert wird.
  2. Lange nutzen: Pflege deine Geräte und lasse sie wenn möglich reparieren. Wenn du unsicher bist, ob sich eine Reparatur lohnt, findest du auf der Circular Platform die Antwort.
  3. Richtig entsorgen: Bringe Altgeräte zu einer SENS-Sammelstelle oder zum Fachhandel oder entsorge sie mit dem Electro Recycling Bag.

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